03
Sep
2009

Geschichtsunterricht: Das Nazitötengeschäft brummt...

geschrieben von Benedikt um 17:05 in Kino
Tags: Christoph Waltz, Filmkritik, Inglourious Basterds, Tarantino

Inglourious Basterds

Jede Menge unbekannte Schauspieler, darunter einige deutsche - und darunter dann auch noch Til Schweiger, der Mann mit den zwei Gesichtsausdrücken. Maximal. Kann sowas gut gehen? Es kann: Quentin Tarantino beweist mit "Inglourious Basterds" nicht nur, dass er nicht richtig schreiben, sondern auch, dass er unbekannte Schauspieler zu Höchstleistungen bewegen kann. Ich hab mir den Film über die Nazitöter und den Judenjäger angeschaut und bin begeistert.

"Das ist ein Bingo! - Sagt man das so? Das ist ein Bingo?"

Unterteilt in fünf Kapitel erzählt der Film im Prinzip die Geschichte der Jüdin Shosanna, die vor den Nazis - sprich der SS im allgemeinen und Oberst Landa im speziellen - flieht und schließlich in Paris mit einer neuen Identität als Kinobetreiberin arbeitet. In den ersten Kapiteln stellt dabei Tarantino die Figuren vor, zuerst Landa und Shosanna, anschließend die Basterds. Die Basterds sind ein US-Trupp, der in Frankreich auf Nazijagd geht. Nix besonderes? Bei den Mitgliedern schon.

Die Basterds bestehen aus Amerikanern, Engländern, Deutschen und natürlich darf mit Donny Donowitz ein Jude nicht fehlen. Auf äußerst brutale Weise metzeln die Basterds jeden Nazi nieder, der ihnen über den Weg läuft. 100 Nazi-Skalps erwartet der Truppenführer Aldo Raine (fantastisch: Brad Pitt) von jedem Basterd, klar das Tarantino die Skalpierszenen zeigt.

Neben den brutalen Szenen, die zum Teil wirklich geschmacklos sind und nichts für Zartbesaitete, gibts jedoch eine richtig gute Story und vorallem Christoph Waltz. Die Rolle von SS-Oberst Hans Landa ist dem Österreicher wie auf den Leib geschrieben, so scheint es - nie war ein Bösewicht gleichzeitig so sanft und brutal, sympatisch und böse. Im Kino von Shosanna treffen zur Premiere vom Propagandafilm "Stolz der Nation", mit Daniel Brühl als Frederick Zoller, alle aufeinander: Nazis (darunter auch Goebbels, der Füher und natürlich auch Soldatenlegende Zoller), Basterds, Oberst-Landa und Shosanna, die parallel zu den Basterds eigene Rachepläne schmiedet.

Es darf gelacht werden: Ähnlich wie Charlie Chaplin gelingt es auch Tarantino, Hitler als Witzfigur darzustellen, wenn er "Nein, nein, nein, nein, nein!" schreiend auf den Tisch haut, im Kino um einen Kaugummi bittet und sich lachend einen Propagandafilm anschaut, kann man gar nicht anders, als sich über den Führer zu beömmeln. Auch ansonsten gibts es neben einigen grausamen Szenen auch Platz für den ein oder anderen Schmunzler. Am Ende gewinnt übrigens keiner so richtig - und ohne zu viel zu verraten kann man sagen: es sterben einige... Zugrunde gerichtet werden die Nazis dann übrigens passenderweise vom Kino. Wenn das mal keine schöne Parabel ist.

Fazit: Absoluter Pflichtfilm, unbedingt anschauen und zwar auf der großen Leinwand. Ist bei mir aber auch schon als Bluray vorgemerkt.